Aula Hirschengraben

Das unter Denkmal stehende Schulhaus Hirschengraben wurde vor 130 Jahren erbaut als herrschaftlich anmutendes Bauwerk, mit dem Zürich vor der Eingemeindung von 1893 nochmals etwas Stattliches erbauen wollte. Über dem Eingang schreckt eine Fratze böse Geister ab, sie musste zu Beginn für einige Zeit abgedeckt werden, weil sie Empörung hervorrief. Das Mädchenschulhaus, ein Palast in bester Lage, weist bereits in der Eingangshalle eine bemerkenswerte Ausstattung auf, ebenso im Pausenraum, der Märchenhalle, in der etliche Märchen wie Hänsel und Gretel oder Dornröschen figürlich dargestellt sind, teils geschaffen von namhaften Künstlern wie August Bösch. 

Die Aula im Dachgeschoss wurde 1894/95 prächtig ausgestattet. Oben sind die Früchte der Erde dargestellt, ebenso die Tiere der Erde wie Schnecke, Frosch, Löwe etc. Dazu kommen Fabelwesen, Drachen, aber auch Götter wie Jupiter. Schliesslich gibt es aus Holz geschnitzte Figurenpaare, längsseitig je vier. Sie sind jeweils aus demselben Holzmodel von Handwerkern geschnitzt worden und zeigen verschiedene Volkstypen (wie arabisch, chinesisch, germanisch, je Mann und Frau). Dazu kommen beidseitig je vier Mädchenköpfe, welche das Gewölbe tragen.

Nun löst die Pracht der Aula bei Besuchenden in der Regel Erstaunen und Bewunderung aus – und auch eine leichte Irritation. Das würde man heute nicht mehr so machen, diente damals jedoch als Anschauung für den Unterricht. Namentlich die Darstellung des Paares aus der Subsahara löste kürzlich Diskussionen aus, weshalb der Stadtrat ein Gutachten in Auftrag gab, dessen Ergebnisse am 29. August präsentiert wurden. 

Kurz zusammengefasst kommt das über 300-seitige Gutachten zum Schluss, dass die Darstellungen weder diskriminierend noch rassistisch seien. 

Dass sie jedoch kontextualisiert werden sollen und im Unterricht pädagogisch bearbeitet. – Der Stadtrat folgt diesen Empfehlungen.

Elmar Melliger