«Es braucht eine ehrliche Standortbestimmung»

SP-Gemeinderat Ruedi Schneider betont, wie wichtig das Altstadthaus fürs Quartier sei. Nun hofft er, dass der Stadtrat eine stärkere Unterstützung zügig prüft.
Ruedi Schneider, Sie setzen sich politisch fürs Altstadthaus ein, warum?
Weil das Altstadthaus ein Ort vom Quartier und fürs Quartier ist mit vielen tollen Angeboten. Getragen wird das von einem tollen Team und vielen Freiwilligen, die viel Zeit und Herzblut ins Quartier stecken – dieses Engagement will ich bei dieser Gelegenheit auch unbedingt gleich hervorheben und Danke sagen. Die Altstadt ist eben nicht nur das historische Herz von Zürich, sie ist Wohnquartier und Zuhause – ein Wohnquartier mit speziellen Herausforderungen. Gerade darum braucht es diesen Ort, der die Leute zusammenbringt.
Hand aufs Herz: Nicht alle im Quartier können nachvollziehen, dass die Finanzen des Altstadthauses so aus dem Ruder gelaufen sind. Können Sie das verstehen?
Ich verstehe die Irritation. Nur: Hier hat niemand über die Verhältnisse gelebt. Der Gemeinderat hat 2023 beschlossen, das Altstadthaus bei gleichbleibender Leistung zu unterstützen. Der Unterstützungsbeitrag wurde gesenkt, damit der Verein zuerst das vorhandene Vermögen abbaut. Und da passierte ein Berechnungsfehler. Diesen Fehler müssen wir nun korrigieren. Mir geht es jetzt nicht darum, Schuldige zu suchen, sondern eine Lösung für ein akutes Problem zu finden. Denn das Altstadthaus ist heute am Limit – es musste bereits Pensen und Angebote kürzen. Und darunter leidet am Ende das Quartier.
Ihr Postulat für mehr Geld fürs Altstadthaus wurde vom Gemeinderat für dringlich erklärt. Ausser der SVP machten alle Parteien mit. Wird der Stadtrat nun vielleicht schneller antworten als innerhalb der zwei Jahre, die er Zeit hat?
Die Dringlicherklärung hat dazu geführt, dass das Postulat so schnell im Gemeinderat behandelt wurde – sonst wäre es womöglich erst in einem Jahr im Rat debattiert worden. Für den Stadtrat gelten natürlich weiterhin die rechtlichen Fristen. Aber hier ist klar: Die Zeit drängt. Der Rat hat das Postulat mit grosser Mehrheit überwiesen, und ich bin zuversichtlich, dass der Stadtrat das Anliegen zügig prüft.
Das Geschäft drängt darum, weil der Stadtrat ja «umgehend» die gekürzten jährlichen Betriebsbeiträge an das Altstadthaus ausgleichen soll. Ist das korrekt?
Ja, damit der vereinbarte Betrieb wieder möglich ist. Wir fordern nicht mehr Geld als vor der Beitragssenkung, sondern das, was für die vereinbarte Leistung nötig ist. Und «umgehend» ist ernst gemeint: Pensen und Angebote sind bereits gekürzt, und das Haus muss wissen, wie es ab 2027 weitergeht. Ich werde im Rahmen der Budgetberatung natürlich prüfen, ob die Mittel für 2027 eingeplant sind.
In Ihrem Vorstoss fällt auf, dass Sie (sowie natürlich Patrik Brunner und Sibylle Kauer) vom Stadtrat fordern, «das Altstadthaus mit einer fachlichen Beratung in der Organisationsentwicklung zu unterstützen». Was sind die Gründe für die externe Hilfe?
Das Altstadthaus leistet enorm wertvolle Arbeit. Gleichzeitig haben Komplexität und Ansprüche seit der Gründung des Trägervereins stark zugenommen. Man sieht es ja aktuell: Wenn die Ressourcen gekürzt werden und Leistungen zurückgefahren werden müssen – mit welchen Mitteln sollen dann noch Strategien für die Zukunft geplant werden? Für ehrenamtlich Engagierte ist es enorm fordernd, all diesen Ansprüchen gerecht zu werden. Andere, etwa die Gemeinschaftszentren, haben dafür ganz andere Ressourcen im Rücken. Und gerade deshalb ist es wichtig, den Blick noch etwas weiter zu öffnen.
Sie fordern zudem vom Stadtrat «die nötigen Massnahmen, damit die soziokulturelle Versorgung der Altstadt langfristig und nachhaltig gestärkt und entsprechend der speziellen Bedürfnisse gesichert werden» könne. Was schwebt Ihnen da vor?
Zuerst eine ehrliche Standortbestimmung: Was braucht die Altstadt eigentlich? Braucht es neue Angebote, braucht es mehr Ressourcen? Heute sind rund 1,6 Vollzeitstellen für die soziokulturelle Versorgung des ganzen Quartiers veranschlagt – das ist sehr wenig, gerade angesichts der besonderen Herausforderungen der Altstadt als Wohnort. Es geht nicht darum, ein grosses neues Haus zu bauen. Es geht darum, dass das Angebot den besonderen Bedürfnissen des Quartiers angepasst werden können und dafür genügend Mittel vorhanden sind.
Ruedi Schneider, danke für das Gespräch.
Lorenz Steinmann