Das «Zäh» feiert und lädt ein

Das Café Zähringer ist schweizweit eines der wenigen selbstverwalteten Restaurants. Bald wird etwas gefeiert, das nicht selbstverständlich ist: Das 45-jährige Bestehen der Kultbeiz am Zähringerplatz.
Lorenz Steinmann
Man liebt es oder man beäugt es erst mal. Das als Kollektiv selbstverwaltete Café Zähringer am Zähringerplatz fällt definitiv auf. Ist es ein Fels in der Kommerzbrandung? Oder eher ein Überbleibsel im hochpreisigen und herausgepützelten Zürich? Dank den Bannern mit politischen Forderungen, den vielen Kleber vornehmlich aus dem linken Spektrum und den handgeschriebenen Menütafeln weiss man immerhin sofort, woran man ist. Selbstverwaltet! Hochpolitisch! Und seit 45 Jahren nur Bio-Label sowie Fairtrade- und regionale Produkte. Coca-Cola und Feldschlösschenbier sucht man hier vergebens. Dafür darf man auch einmal sitzen bleiben, ohne gross zu konsumieren.
Flohmi und mehr
Nun feiert die Genossenschaft 45 Jahre ihres Bestehens. Gegründet wurde die Beiz 1981, als Zürich gastronomiemässig noch sehr verkümmert war. Am Samstag, 5. September, wird gefeiert. Es wird vom Morgen bis zum frühen Nachmittag einen Flohmi geben, danach wird der Zähringerplatz mit Konzerten bespielt. Dazu gibt es eine Toothgem- und eine Tattoo-Ecke. Toothgems, das sind kleine Kristalle oder ein Schmuckstück, das mit speziellem Zahnkleber auf einen Zahn geklebt wird. Besonders danken die Organisatoren dem Quartierverein für die Unterstützung der Bewilligung.
Die Creperie Hirschenplatz wird auch vor Ort sein. Diese feiert auch ein Jubiläum und zwar sogar ihr 50-jähriges Bestehen. Die Crèperie und das «Zähringer», das sind zwei Angebote, die das Niederdorf so viel reichhaltiger machen, keine Frage.
Bio, als das noch nicht en vogue war
Die Struktur und Einstellung der Zähringer-Genossenschaft sind seit ihrer Gründung konstant geblieben, weswegen der Fokus auf Bio-, faire und regionale Produkte unverändert geblieben ist. Dass heute andere Läden und Restaurants ähnlich agieren, zeigt den guten, ja visionären Riecher des «Zäh». Dass hingegen schweizweit nur wenige Restaurants ähnlich selbstverwaltet agieren, veranschaulicht, wie schwierig das Umfeld ist. In Zürich ist es noch der «Ziegel oh Lac» in der Roten Fabrik und seit einigen Jahren der «Park Platz» –kurz «Parki» – am Letten. Temporär dazugekommen ist zudem die «Zentralwäscherei» im Kreis 5. Doch vom Bekanntheitsgrad her kann es niemand aufnehmen mit dem «Zähringer».
Alles in allem läuft der Betrieb ordentlich, wie es vom Kollektiv heisst. Die Coronazeit war hart, wie bei allen Gastrobetrieben. Dank einer solidarischen Genossenschaft im Rücken konnte auch diese Herausforderung gemeistert werden. Was sicher positiven Einfluss hatte: Das Restaurant und der erste Stock des Gebäudes gehören seit den 1980er Jahren der Genossenschaft. Damals kaufte man in weiser Voraussicht den Hausteil im Stockwerkeigentum. Was wurde seither anders? Die Vorgaben der Stadtverwaltung wurden eher gelockert. So war es in den 1990er Jahren noch viel komplizierter, zu einem Wirtepatent zu kommen.
Keine Selbstbedienung wie anderswo
Wer ins «Zäh» einkehrt, wird nach alter Schule am Platz bedient, auch draussen. Eine Wohltat! Dass hier auch Leute ohne Gastroerfahrung arbeiten, merkt man nicht. Im Gegenteil, selten wird so viel gelächelt und parliert mit den Gästen.
Im Hinblick auf die Zukunft wünscht sich die Genossenschaft weniger Gentrifizierung, also nicht nur teure Sanierungen und Aufwertungen, sowie eine stärkere Vernetzung mit anderen lokalen Geschäften sowie der Bevölkerung im Niederdorf und Anwohnern. Genau dafür sei das Fest vom 5. September da, heisst es vom Kollektiv.
Man hofft, dass das «Zäh» noch lange besteht. So dass man nicht nur das 50-Jährige, sondern dereinst sogar das 100-Jährige feiern kann. Mit der hausgemachten Rösti in mindestens 10 Varianten, wie seit 1981. «Viele von uns sind dann 80 Jahre alt, wir hoffen natürlich, dass wir dann noch unsere Lieblingsgetränke geniessen können», heisst es vom vornehmlich jungen Kollektiv.
Wer will, kann für 1000 Franken Anteilscheine der Genossenschaft kaufen und so Teil des «Zähringer» werden. www.zaehringer.ch