Eine Ehrentafel für Mozart

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Sagenhafte 20 Jahre musste vergehen, bis die Mozarttafel endlich hing. Aber jetzt macht das Ding Freude, ebenso, wie die Feier fröhlich war.

Mozartkugeln kann man in Zürich an ausgewählten Orten schon lange kaufen. Jetzt kommt eine Infotafel über den berühmten Komponisten dazu. Nach 20-jähriger (!) Vorbereitung wurde am Dienstag, 9. September, am «Haus zum Schwert» am Weinplatz im Rahmen der Tage des Denkmals eine Mozarttafel feierlich eingeweiht.

Es ist die 26. Gedenktafel auf dem Schweizer Mozartweg; sie erinnert an den Zürich-Besuch der Familie Mozart mit dem damals zehnjährigen Büblein, das schon damals Anzeichen eines Genies zeigte. Auf dem Rückweg von der grossen Europareise, die mehr als drei Jahre gedauert hatte, durchquerte der zehnjährige Wolfgang Amadé Mozart die Schweiz und gab hier 1766 zusammen mit seinem Vater Leopold und seiner Schwester Maria Anna, genannt Nannerl, ein stark beachtetes Konzert. 

Starkult und fordernde Manager etwa in Form der Eltern gab es also schon früher. 

Am Enthüllungsanlass richteten etwa Stadtrat André Odermatt (SP) und alt Nationalrätin Kathy Riklin (Die Mitte) Worte an die gut 100 Gäste. Einen feinen, höchst originellen Auftritt hatte auch Franz Hohler, der eigens für den Anlass eine Geschichte schrieb. Demnach hatte Wolfgang Amadeus während des Aufenthaltes in Zürich so viel Spass und Inspiration, dass hier sein Welthit «Eine kleine Nachtmusik» entstand. In Hohlers Worten erzählt war es der absolute Höhepunkt des Nachmittags.

Ein wenig Kritik musste Odermatt über sich ergehen lassen, auch wenn er ja nicht für alles in Zürich den Kopf hinhalten muss, das nicht perfekt läuft.  Und doch: Da war einmal das laut Anwesenden «ewig lange» Bewilligungsprozedere für das Stückchen Blech in Form einer Erinnerungstafel und dann musste noch eine zünftige Summe gezahlt werden für die Bewilligung des Anlasses.

Aber jetzt ist die Tafel immerhin angeschraubt und erinnert an den Zürcher Aufenthalt der Familie Mozart. Es war damals das nobelste Hotel von ganz Zürich und eines der ersten Häuser von ganz Europa. Seine Glanzzeiten erlebte das Haus im 17. und 18. Jahrhundert. Das «Schwert» war ein kultureller Mittelpunkt Zürichs, in dem viele prominente Gäste abstiegen. Johann Wolfgang von Goethe nannte die Herberge «das allerschönste Wirtshaus». Doch 1838 wurde an der Poststrasse das Hôtel Baur-en-Ville eröffnet. Diese Konkurrenz führte schliesslich zur Aufgabe der Hotellerie neben der Gemüsebrücke.

Mit dem Ersten Weltkrieg eine Ära zu Ende: 1918 wurde das Haus an den Kanton Zürich verkauft. 1938 entstand hier der  Geschäftssitz von Samen Mauser, 1981 kaufte es die Schweizer Rückversicherung. Anlässlich der letzten Renovationen um 1994 wurde der Zustand von damals wieder hergestellt. Freilich ohne Hotel. Das Schild lohnt  trotzdem einen Besuch.

Lorenz Steinmann