Weltblatt für den
Kreis 1


Zwingli im Grossmünster

Es hat sich herumgesprochen und man konnte es da und dort bereits lesen: Das Grossmünster schliesst seine Pforten während rund vier Wochen. Was sind die Gründe dafür?

Nein, weder ist die Kirche einsturzgefährdet und muss deshalb geschlossen werden, noch kapituliert man vor scheinbar nicht mehr zu bewältigenden Touristenströmen (letztes Jahr sollen sie über eine halbe Million Besucher gezählt haben). Vielmehr steht eine tiefgreifende Umgestaltung des Kirchenraums bevor.
Und nochmals nein: Eine Rekatholisierung der Mutterkirche der Zürcher Reformation ist nicht zu befürchten, auch wenn für kurze Zeit deren Inneres mit Heiligenfiguren und Bildern bestückt wird.

Film über Zwingli
Die Verwandlung des Grossmünsters in den vorreformatorischen Zustand geschieht vielmehr im Hinblick auf die Dreharbeiten für einen Spielfilm über Ulrich Zwingli.
Im Gespräch mit dem Regisseur Stefan Haupt ist Näheres über das gross angelegte Unternehmen zu erfahren. Im Vorfeld der Reformations-Jubiläen hat sich Haupt schon vor drei Jahren dafür interessiert, das Leben des Reformators filmisch darzustellen. Gemeinsam mit der von der Zürcher Landeskirche unterstützten, wenn auch nicht von ihr beauftragten Zürcher Filmproduktionsfirma C-Films AG (Produzentin Anne Walser) entstand das Drehbuch von Simone Schmid (bekannt unter anderem durch ihre Mitarbeit bei der Serie «Der Bestatter»), an dem auch der Regisseur selbst beteiligt ist.

Historienfilm
Geplant ist ein fundiert recherchierter Historienfilm in möglichst originaler Ausstattung mit dem Bestreben, ein authentisches Bild der spannungsgeladenen Zeit zu vermitteln, die damaligen Auseinandersetzungen mit ihren Nöten, Ängsten und Hoffnungen so zum Leben zu erwecken, dass die geschichtlichen Zusammenhänge konkret greifbar werden. Dabei soll Zwingli nicht als Leinwandheld im Mittelpunkt stehen, vielmehr werden seine vielseitigen Facetten im Zusammenspiel mit den zeitgenössischen Akteuren in ein differenziertes Licht gerückt. Um dem hohen Anspruch gerecht zu werden, war von Anfang an beabsichtigt, auch an Originalschauplätzen zu drehen, was nun im Fall des Grossmünsters dank dem Entgegenkommen der zahlreichen Behörden und Personen, die hier das Sagen haben, realisiert werden kann.

Beträchtlicher Aufwand
Der Aufwand, um aus dem heutigen Kirchenraum die glaubhafte Kulisse des katholischen Münsters, wie es am Anfang des 16. Jahrhunderts ausgesehen haben mag, zu rekonstruieren, ist allerdings beträchtlich: Ausser der Errichtung von mehreren neu angefertigten Altären müssen Kirchenbänke ausgebaut, die modernen Beleuchtungskörper teilweise demontiert und weitere Veränderungen der neueren Zeit zum Verschwinden gebracht werden. Die zeitweise Kirchenschliessug ist dabei nicht zu vermeiden und hat für die Kirchgemeinde und den übrigen Betrieb erhebliche Einschränkungen zur Folge, auch wenn die Sonntagsgottesdienste regelmässig stattfinden. Das Resultat der Umbauten wird der Öffentlichkeit zugänglich gemacht (siehe unten).

Aussenaufnahmen anderswo
Weitere Schwierigkeiten sind vom Filmteam auch bei den Aussenaufnahmen zu bewältigen, haben sich doch die Gassen der Zürcher Altstadt und nicht zuletzt auch die Grossmünstertürme so stark verändert, dass an andere Orte ausgewichen werden muss. Ein grosser Teil der Dreharbeiten, die bis im April abgeschlossen sein sollen, findet deshalb in Stein am Rhein, im dortigen Kloster St. Georgen, und in einem Freilichtmuseum in Süddeutschland statt. Die Filmcrew zählt weit über fünfzig Mitwirkende und unter den Darstellern finden sich Namen, die aus verschiedenen Film- und Bühnenproduktionen bestens bekannt sind: Max Simonischek übernimmt die Rolle Zwinglis, Sarah Sophia Meyer jene von Anna Reinhart, der Frau des Reformators. Leo Jud wird von Anatole Taubman, der Bürgermeister Markus Röist von Stefan Kurt gespielt. Der in Schweizerdeutsch aufgenommene Film richtet sich an ein breites Publikum im In- und Ausland und wird im Januar des nächsten Jahres in den Zürcher Kinos anlaufen.

Matthias Senn

Teilweise Kirchenschliessung vom 5. Februar bis 2. März. Sonntagsgottesdienste in der Kirche zur gewohnten Zeit, 10 Uhr. Geführte Präsentation des veränderten Kirchenraumes am Montag, 19. Februar, 14 bis 17 Uhr. Voranmeldung: thomas.gamma@grossmünster.ch.

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