Weltblatt für den
Kreis 1


Zauber der Vergänglichkeit

Der letzte Werkstattbesuch führte die Gäste an die Oberdorfstrasse 10 zu «Blumenbinder», wo Regula Guhl aus Blumen wunderbare Kreationen anfertigt.

Es ist an einem Abend nach Ladenschluss. 21 Neugierige finden sich im Laden «Blumenbinder» ein. Regula Guhl hat den Laden von ihrer legendären Vorgängerin Maria Binder übernommen, die ihn über Jahrzehnte bis ins hohe Alter geführt hat. Und so führt Regula Guhl das Lebenswerk ihrer langjährigen Freundin auf ihre ganz persönliche Art weiter. Sie hat den Laden sanft renoviert, er erstrahlt in neuem Glanz. Das Geschäft ist hell, es duftet herrlich und an diesem Abend ist die Blumenwand mit den bis fast zur Decke aufgereihten Vasen vor allem mit Schweizer Blumen gefüllt. Ganz ohne Rosen aus Ecuador geht es nicht, aber es ist Regula Guhl wichtig, Bestellungen bei heimischen Gärtnereien zu platzieren und auf der Blumenbörse ebenfalls Schweizer Gewächse einzukaufen. «Man muss diesem Gewerbe Sorge tragen», meint sie.

Blumen binden
Nach der Begrüssung folgt sogleich die erste Einführung in ihr Metier. Die Gastgeberin zeigt uns einen frisch gebundenen Strauss – das klassische Produkt eines Blumenladens. Die gleichen Blumen und Pflanzen hat sie in einer schönen Schüssel zu einem lockeren Gesteck zusammengefügt und nochmals anders in ein Konstrukt von Zweigen eingefügt. Dreimal die gleichen Blumen – dreimal ein total anderes Gebilde.
Regula Guhl hat die Lehre bei Blumen Fitze gemacht und anschliessend an diversen Orten als Floristin gearbeitet. An der Fachschule für Blumenkunst in Weihenstephan bei München lernte sie, wie sich Blumen und Pflanzen in mannigfaltiger Weise präsentieren lassen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt und das lebt Regula Guhl total aus. Sie liess sich in Tokio bei einem Meister für zeitgenössisches Ikebana in die Zen-Kunst einführen und gründete Ende der 1980er-Jahre ein Atelier für Blumendesign.
Im Laden sind vier Angestellte in Teilzeitpensen tätig und ihr Mann kümmert sich um Buchhaltung und EDV. Das Tagesgeschäft als reiner Blumenladen würde leider nicht zum Leben reichen. Für Werbung gibt es kein Budget. Dazu dienen die schön geschmückten Schaufenster und die Mund-zu-Mund-Werbung. Ein wichtiger zusätzlicher Erwerbszweig sind indessen Abos von Büros und Geschäften. Diese erhalten montags einen frischen Strauss in der richtigen Vase geliefert, zur Freude von Angestellten und Kunden. Neben Blumen werden im Laden auch ausgewählte Schalen und Vasen angeboten. In der Weihnachtszeit bietet Regula Guhl Kurse an zum Gestalten von Adventskränzen und nach getaner Arbeit gibt es ein feines Essen, das vor Ort von einer Köchin zubereitet wird.

Blumendesign
Die eigentliche Passion von Regula Guhl ist aber die pflanzliche Gestaltung in grösserem Rahmen bei Ausstellungen und festlichen Anlässen. Wir werden ins Untergeschoss geführt und Regula Guhl zeigt uns eine Videopräsentation von ausserordentlichen, grossen Gestecken und Gebilden, die sie zu verschiedenen Anlässen gestalten durfte. – Da kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Was alles möglich ist, wie delikate Blumen gesteckt, in Reagenzgläsern mit Wasser versorgt für Tage einen Blumenteppich darstellen, wie innerhalb von wenigen Stunden ein Kubus mit frischen Blumen geschaffen wird, der anlässlich einer Ehrung den Vortragssaal im Kunsthaus verzaubert…
Der Fantasie sind wirklich keine Grenzen gesetzt: farbige Blütenblätter in durchsichtigen Pralinéeschächtelchen, zusammengefügt zu einem Blumenteppich, Rosenblätter zwischen Gläsern gepresst und mit einem Neon-Ring beleuchtet, eine Kirchenkanzel – wegen der Stimmung arbeitet Regula Guhl sehr gerne in Kirchen – mit einem Vorhang aus verblühten Rapsästen und Wildblumen verhangen. Regula Guhl hat auch an der renommierten Ausstellung im Aargauer Kunsthaus «Flowers to Art» teilgenommen und Blumengebilde zu Werken von Kaspar Wolf und Hans Arp zusammengestellt. Alles sehr beeindruckend. Inspirieren lässt sich Regula Guhl in der Natur. Oft entsteht eine Idee spontan, ohne vorherige Zeichnung.
Die Ästhetin erkennt man auch beim Apéro, der den Besuch abrundet: Beeren und Nüsse in schönen Schalen und mit Spiesschen zusammengesteckt. Es stimmt einfach alles.

Christine Schmuki

«Blumenbinder», Oberdorfstr. 10, Tel. 044 361 18 18.

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