Weltblatt für den
Kreis 1


Nachruf auf Hedy Mumprecht



Hedy Mumprecht-Knup wurde am 1. August 1922 geboren. Sie lernte den Beruf als Schneiderin und bildete sich weiter zur Modedesignerin. Sie war immer praktisch veranlagt und scheute keinen Aufwand, etwas zu erreichen, was ihr wichtig schien. 1947 heiratete sie Peter Mumprecht. Er war Konditor und wollte nach seinen Gesellen- und Wanderjahren sein eigener Herr und Meister werden. So eröffneten die Eheleute an der Strehlgasse 16 ihr Geschäft, ein Café mit Konditorei. Bald schon gab es Nachwuchs. Hedy gelang der Spagat zwischen Familie und Geschäft auch dank der tatkräftigen Unterstützung von Seiten ihrer Eltern. Das Haus in der Altstadt war verwinkelt und vielerorts riefen Wände und De­cken nach Reparatur. Hedy lernte den Umgang mit Mörtel, Farbe, Spachtel und Pinsel. Gemeinsam renovierte die Familie in Handarbeit Zimmer um Zimmer, Stock um Stock.
Aus gesundheitlichen Gründen muss­ten Peter und Hedy das Geschäft im Jahre 1962 aufgeben: Hedy wirkte weiter als Mutter zweier halbwüchsiger Buben und als Handwerkerin am Haus. Während die Kinder Eduard und Jürg ihre Ausbildung vorantrieben, musste man erkennen, dass der Unterhalt des Hauses ein Fass ohne Boden darstellte. Darüber hinaus war dringend ein Lift nötig, der niemals in den bestehenden Bau hätte eingefügt werden können. So kam es 1970 zum Totalumbau der Liegenschaft. Die Familie verbrachte drei Jahre in Adliswil, bevor sie wieder an die Strehlgasse zurückkehren konnte. Hedys handwerkliche Fertigkeiten waren hier nun nicht mehr gefragt, deshalb fand sie Arbeit ausser Haus. Mit der Zeit wurde ihr Mann pflegebedürftig. Mit Zuwendung und Geduld war sie immer präsent, auch um den geselligen Peter per Rollstuhl in die umliegenden Gaststätten zu bringen. – Nach dem Tode ihres Ehemannes konnte sie sich erholen von der permanenten Anspannung und Verpflichtung. Sie pflegte nun alte und neue Freundschaften, engagierte sich in Vereinen und konnte manche grössere Reise unternehmen. Regelmässig machte sie ihre Spaziergänge im Quartier. Schon aus ihrer Zeit als Gastgeberin an der Strehlgasse kannte sie viele Leute, mit denen sie sich gerne unterhielt. Ihr wacher Geist, ihre Schlagfertigkeit waren bekannt, ihre poetische Ader allerdings nur einem kleineren Kreis.
In letzter Zeit wurde das Leben beschwerlicher und mit zunehmendem Alter verschwanden auch viele ihrer Bekannten. Lange noch lebte sie an der Strehlgasse dank Spitex- und Mahlzeitendienst, bis sie vor etwas mehr als zwei Jahren in ein Pflegeheim umziehen musste. Sie war dankbar für alles, was sie tun und ­erleben durfte, meinte aber, sie wünsche niemandem ein so hohes Alter. Sie verstarb friedlich am 8. Februar in ihrem 95. Lebensjahr.

Eduard Mumprecht

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