Weltblatt für den
Kreis 1


Gemeinderatswahlen: Gesprächsrunde mit Kandidatinnen und Kandidaten der Stadtkreise 1 und 2
Zentrumslasten, Wohnen, Verkehr



Der Altstadt Kurier hat alle Parteien eingeladen, eine oder zwei ihrer Gemeinderatskandidatinnen und -kandidaten im Wahlkreis 1+2 zur Teilnahme an einer Gesprächsrunde zu entsenden. Mit dieser nicht öffentlichen Veranstaltung wollten wir ein Forum bieten, den Kreis 1 betreffende Themen zu diskutieren. Es hat sich ein lebhaftes Gespräch entwickelt. Die Fragen hat Michael Schädelin gestellt. – Lesen Sie eine Zusammenfassung des Gesprächs.

Die Stadt hat zum Ärger der Anwohnerinnen und Anwohner die bedienten Zufahrtsbarrieren zur Durchsetzung des Nachtfahrverbots aufgehoben. Im Kreis 4 wurde soeben ein Versuch einer automatischen Zufahrtskontrolle mit Erfolg abgeschlossen, der nun definitiv werden soll. Ob das auch in der Altstadt kommt, ist noch unsicher. Was meinen Sie zum Vorgehen im Kreis 4 und können Sie sich dafür stark machen, das neue Nummernerkennungssystem auch in der Altstadt einzuführen?
Reto Lüchinger (CVP) (Die Erstbeantwortung der Fragen wurde ausgelost.): Ich habe selber kein Auto. Ich bin ein Verfechter von technischen Neuerungen. Wobei man nicht allzu viele «Barrieren» einsetzen sollte, ich setzte auf Eigenverantwortung. Die Neuerung finde ich eine gute Sache.
Christian Traber (CVP): Als Mitunterzeichner des Postulats habe ich gefordert, dass etwas gemacht wird. Ich würde es daher begrüssen, wenn die Barrieren adäquat ersetzt würden.
Guy Krähenbühl (GLP): Ich würde an der Zähringerstrasse und an der Kirchgasse solch ein Gerät hinstellen. Nach der ersten Busse wirkt das. Man sollte aber grössere Signale anbringen.
Gabi Kisker (Grüne): Wegen dem Parkplatzsuchverkehr braucht es etwas für den Zähringerplatz. Wobei man diese Parkplätze ohnehin aufheben sollte.
Edi Guggenheim (AL): Die Situation im Kreis 4 ist anders als an der Zähringerstrasse, im Kreis 4 habe ich diese Neuerung unterstützt. Aber an der Zähringerstrasse würde das nicht funktionieren, wegen der Hotels.
Felix Stocker (SP): Ein Fahrverbot bedeutet, dass man nicht fahren darf. Ich stelle den Abschreckungseffekt in Frage, weil die Fahrer von überallher kommen. Es braucht einen Plan B.
Reto Lüchinger: Mietautos fahren auch durch.
Christian Traber: Freier auch, aber das spricht sich herum. Dennoch ist es anspruchsvoll, komplex, hier eine gute Lösung zu finden.


Immer wieder hört man seitens von Gewerbetreibenden Klagen wie: schlechte Zufahrt, zu wenig Parkplätze, zu rigide Parkbussen für den Schreiner, der kurz bei einem Kunden parkt. Wie beurteilen Sie die Situation?
Edi Guggenheim (AL): Es ist wichtig, dass der Zähringerplatz autofrei wird. Das ist kein Problem, die meisten Handwerker haben ein Töffli mit Anhänger und wissen, wann sie reinfahren dürfen. Die Stadt ermöglicht ja Gewerbebetriebe, in ihren Liegenschaften. Diese Klagen sind wenig begründet.
Dominik Ott (Grüne): Anlieferung: ja! Die Frage ist, für was für ein Gewerbe, wenn es an Orten ist, wo es verboten ist. Ich habe ein Herz für das Kleingewerbe, nicht aber für Internet-Shopping-Lieferanten.
Reto Lüchinger: Ich kenne jemanden bei Lidl in der Fraumünsterpost. Für die ist es schwierig, ohne eigene Kundenparkplätze auszukommen. Ein paar Meter zu Fuss zurücklegen zu müssen ist ok. Ich bin aber gegen weiteren Parkplatzabbau. – Für Handwerker gibt es Zufahrtsmöglichkeiten.
Guy Krayenbühl: Das ist seit Jahren ein Thema. Die Lieferanten wissen, dass sie am Morgen anliefern müssen. Ich sehe das Problem nicht.
Gabi Kisker: Doch. Handwerker kommen nicht im Tram, die haben Material und Werkzeug dabei. – Man sollte die Anlieferung bündeln. Die Zeiten sind gut. Es gibt Klagen, wenn bereits morgens um 4 Uhr angeliefert wird.
Christian Traber: Handwerker wie Sanitär-Installateure können eine Tagesbewilligung lösen. – Es ist der gesunde Menschenverstand, den ich vermisse, wenn nach gefühlten zehn Minuten eine Busse geschrieben wird. Da sehe ich ein Problem.
Edi Guggenheim: Es gibt Handwerker von auswärts und Einheimische wie Maler Eppler, der hat das Problem mit Töffli und Anhänger gelöst. Es gibt überdies den Parkplatz beim Obergericht.


Wer sich in den Gassen der Altstadt umhört, wird mit Klagen vor allem älterer Menschen über viel zu schnell fahrende Taxis und Lieferwagen und rasende Velos konfrontiert. Eine oft gehörte Forderung lautet «Schritttempo für alle». Wie ist Ihre Meinung?
Felix Stocker: Erste Priorität hat der gesunde Menschenverstand. Alle haben sich an Tempobeschränkungen zu halten.
Guy Krayenbühl: Die Altstadt ist eine wunderschöne Begegnungszone. Wenn da mal ein Velo etwas schneller fährt, ist das nicht schlimm.
Anthony E. Monn (Der Unabhängige): Die Velos fahren einem um die Ohren. Ich bedaure das sehr, auch bei Autofahrern: dieses Rücksichtslose, diese Hetzerei.
Dominik Ott: Ich wohne in einer Begegnungszone, wo Tempo 20 gilt. Man soll die Geschwindigkeit anpassen. Die Polizei hat auch schon Bussen verteilt.
Reto Lüchinger: Die überwiegende Mehrheit der Autofahrer hält sich an die Verkehrsregeln. Halten Velofahrer am Rotlicht an? Eher die Ausnahme. – Wir haben kein Raserproblem.
Anthony Monn: Das nicht gerade.
Jeremy Giblin (GLP): Die Altstadt liegt im Stadtzentrum. Da braucht es die Gemeinschaft, gesunden Menschenverstand, muss man die Geschwindigkeit anpassen. Ich sehe kein Raserproblem. Wenn es statistisch erwiesen wäre, dann müsste man etwas unternehmen.
Reto Lüchinger: Aber die Zahl der Velounfälle hat zugenommen.
Christian Traber: Das betrifft vor allem E-Bikes.
Edi Guggenheim: Es gibt keine Unfälle beim Kurierdienst Velo-Blitz. Bei Rot über die Kreuzung fährt man mit dem Velo zur eigenen Sicherheit, weil einem dann keiner den Weg abschneidet. Velounfälle passieren vor allem Älteren, Neueinsteigern und E-Bike-Fahrern. In der Altstadt gibt es ja Velorouten, etwa durch die Kirchgasse. Aber es gibt natürlich Spinner, die um die Ecke rasen, ohne Licht etc. Das stört mich.
Felix Stocker: Ich appelliere an die Vernunft, an den gesunden Menschenverstand. Man soll die Leute ernst nehmen, aber nicht mit Bussen, eher konstruktive Lösungen suchen.
Anthony Monn: Man könnte eine Kampagne machen mit Plakaten und aber auch büssen.
Gabi Kisker: Im Ganzen gesehen haben wir eine gute Situation. Einzelne sind zu schnell unterwegs. Ob man solche «Passantenstopper» auf die Gasse stellen sollte, als Hindernisse?


Zentrumslasten und Immissionen
Viele und insbesondere jüngere Zürcherinnen und Zürcher schätzen die
liberale Haltung der geltenden Gastwirtschaftsverordnung. Anwohnerinnen und Anwohner sehen sich dagegen oft als Opfer einer ausufernden 24-Stunden-Gesellschaft und fordern die Politik auf, einen gewissen Gestaltungsspielraum zurückzugewinnen, um Wohngebiete zu schützen. Wie stehen Sie dazu?
Christian Traber: Das Niederdorf war schon immer ein Ausgehviertel. Früher war es sogar eher lauter. Mit dem Alkohol gibt es allerdings schon ein Problem. – Man kann das Rad nicht zurückdrehen. Doch ist dem Rechnung zu tragen, dass hier Leute wohnen und leben.
Guy Krayenbühl: Ich bin im Kreis 1 aufgewachsen. Am Neumarkt waren noch Autos parkiert, es war lauter. Man wohnt hier und schätzt selber das Angebot des Gastgewerbes. Im Sommer ist es halt etwas lauter, aber das ist überall so, es hat überall Mitmenschen. In der Altstadt ist es eher so, dass es «tötelet» an vielen Tagen.
Ruedi Schneider (SP): Rücksichtnahme ist gefordert, die Leute möchten schlafen. Ab einer gewissen Zeit sollte man nicht mehr raus mit Getränken.
Felix Stocker: Es soll auch für Familien möglich sein, hier zu wohnen. Die Regeln sollten nicht allzu rigid sein, sind aber klar einzuhalten. Bars sollen sich zuständig fühlen in Sachen Lärm.


An der letzten Generalversammlung des Quartiervereins konstatierte die Bevölkerung in Sachen Lärm lautstark einen Vollzugsnotstand. Der Tenor lautete: «Die Polizei muss unsere Nachtruhe schützen.» Der anwesende Kreischef wies auf andere Prioritäten und die knappen personellen Ressourcen der Polizei hin. Was meinen Sie dazu?
Guy Krayenbühl: Das Rauchverbot zwingt die Leute raus ins Freie, da wird es halt lauter. Aber ist es in der Stadt Zürich lauter geworden? Trams, Autos, Flugzeuge sind früher viel lauter gewesen. Ich empfinde es heute nicht lauter.
Michael Schmid (FDP): Ich bin liberal, aber die Nachtstunden sollten ruhig sein.
Guy Krayenbühl: Da haben doch beim Kino Razzia tatsächlich Nachbarn Kameras aufgestellt… Mit dem Konsum von Alkohol nimmt der gesunde Menschenverstand ab. Trotzdem sollten wir nicht in jede Gasse einen Polizisten stellen.
Edi Guggenheim: Ich fordere ein Rollkofferverbot auf der Gasse, konsequent durchgesetzt.
Anthony Monn: Früher war es lauter und man war toleranter? Tatsächlich wohnen durch die Gentrifizierung Leute in Luxuswohnungen, die viel heikler sind und höhere Ansprüche haben. Es ist also sozusagen ein Luxus-Problem. – Wenn man in der Altstadt wohnt, muss man bis zu einem gewissen Grad etwas Lärm in Kauf nehmen.
Jeremy Giblin: Ich bin in der Altstadt aufgewachsen, hatte lang das Zimmer zur Gasse hin. Man nimmt das einfach in Kauf. Etwas Leben ist gut für das Gewerbe, das gehört dazu.
Gabi Kisker: Die Altstadt ist mehrheitlich ein einer Mischzone. Das kann punktuell zu Problemen führen. Die Polizei rückt auch nicht mehr von selbst aus, es braucht eine Lärmklage. Die Aussage, man müsse halt nicht da wohnen, ärgert mich. Es gibt tatsächlich punktuell Probleme. Beispielsweise die geplante Boulevardbestuhlung in der engen Gasse beim Dadahaus: Das ist zu viel.


In jüngster Zeit öffneten in der Altstadt rechts der Limmat gleich mehrere Läden, die einen wesentlichen Teil ihres Umsatzes mit dem Verkauf alkoholischer Getränke vornehmlich an jugendliche Nachtschwärmer machen und bis tief in die Nacht geöffnet bleiben. Vor diesem Hintergrund ertönt immer wieder der Ruf nach einem nächtlichen Verkaufsverbot für Alkohol. Ihre Meinung?
Anthony E. Monn: In der Altstadt herrscht wirklich Rambazamba am Weekend. Ein Alkoholverkaufsverbot bringt aber nichts, dann werden die alkoholischen Getränke einfach mitgebracht.
Dominik Ott: Man sieht es bei Tankstellenshops: Das zieht Kreise, dort gibt es Littering, hat es Scherben. In London geht um 23 Uhr der Laden runter. Man sollte die Möglichkeit von Entsorgungsgebühren prüfen. Heute ist es so: Die Allgemeinheit trägt die Last, der Verkäufer hat den Gewinn.
Reto Lüchinger: Man soll die Leute nicht vor sich selber schützen wollen. Problematisch sind das Shop-Ville und die Tankstellen-Shops. Die neuen Läden sind eher kein Problem. Littering? Es wird ja immer gut geputzt.
Edi Guggenheim: Es ist ein menschliches Problem, beispielsweise an der Langstrasse, mit dem Bierkonsum. Das fördert den Alkoholismus. Das ist ein gesamtstädtisches Problem.
Guy Krayenbühl: Übrigens schliessen in London um 23 Uhr nur die Pubs. All die Läden von Pakistani haben 24 Stunden geöffnet. Ich finde es toll, dass es diese Möglichkeit gibt, etwas Lässiges. Man kann übrigens auch anderes kaufen wie Gemüse…
Anthony Monn: Das Niederdorf ist ein Magnet, zieht Leute aus der Agglomeration an, das führt zu Littering. Am Morgen stehen einem die Haare zu Berg. Es wurden ja schon x Kampagnen gemacht. Mir ist Recycling ein Anliegen. Braucht es diesen 24-Stunden-Betrieb wirklich? Darf die Stadt nicht auch mal zur Ruhe kommen?
Gabi Kisker: Die entstandenen Läden an der Niederdorfstrasse: Sind diese Veränderungen wirklich so toll? Die Stadt besitzt 25 Prozent der Liegenschaften, dort hat sie Einfluss. Man sollte auf private Hauseigentümer einwirken, dass sie Läden mit Niveau in ihre Liegenschaften reintun.


Wohnen, arbeiten und leben
Die Altstadt erhält ihren Charakter auch vom speziellen Mix an kleinen Läden. Nun stehen diese aufgrund des Strukturwandels im Detailhandel sowie steigender Mietzinse unter enormem Druck. Bereits haben viele alteingesessene Läden dicht gemacht. Die Altstadt droht ihren Charakter zu verlieren – und die Bewohnerinnen und Bewohner ihre Bezugspunkte. Sehen Sie in dieser Frage politischen Handlungsspielraum? Soll und kann die Politik das Kleingewerbe unterstützen, und wenn ja wie?
Dominik Ott: Ich bin ja im Stiftungsrat der PWG. Wir probieren, Objekte aufzukaufen, um preisgünstiges Wohnen und kleingewerbliche Strukturen zu erhalten sowie Läden, die für die Quartierversorgung wichtig sind. Dazu braucht es Goodwill der Liegenschaftsverkäufer. – Der Strukturwandel durch das Online-Shopping hinterlässt Spuren, die Läden leiden. Hier ist individuelle Verantwortung gefragt, also Einkaufen im Quartierladen.
Michael Schmid: Als Kunden können wir am meisten machen. Aber Parkplätze generieren Umsatz.
Felix Stocker: Der Grund dafür, dass es kleine Läden noch gibt: Die Häuser sind im Besitz der Stadt. In Häusern in Privatbesitz hat es H&M, Turnschuhläden. Die Stadt soll also Liegenschaften kaufen und der Spekulation entziehen. Die Stadt macht das sehr gut. Leider bleibt bei der ansonsten herrschenden Mietzinsmaximierung kein Platz mehr fürs Kleingewerbe.
Reto Lüchinger: Videoverleih ist tot, Musik Hug hat Probleme. Gegenwehr ist zwecklos, heute wird online eingekauft. Eine Immobilie ist ein Spekulationsobjekt. Franz Carl Weber musste raus, es gibt x Beispiele. Kleine Läden, die lebenswert sind, soll man unterstützen.
Christian Traber: Es gibt auch private Hausbesitzer mit Hotels etc. Aber: In Leimbach ging die Metzgerei zu. Aber wer ging da einkaufen? Meine Töchter bestellen Zalando-Pakete.
Gabi Kisker: Die kleinen Strukturen im Kreis 1 sind wertvoll. Es ist kontraproduktiv, Läden rauszukippen, das geht irgendwann hinten raus. Wir wollen kein Ballenberg werden. Da muss man auf planerischer Ebene eingreifen.


Die Stadt Zürich hat eine neue Vermietungsverordnung erlassen und wird sie in den kommenden Jahren umsetzen. Das weckt im Quartier erhebliche Ängste. Wie stellen Sie sich die Umsetzung vor: möglichst zügig und damit auch zuweilen hart oder unter grösstmöglicher Ausschöpfung der Spielräume, welche die Kompromissformel ermöglicht?
Jeremy Giblin: Ich bin da kein Experte. Grundsätzlich finde ich eine gewisse Durchmischung immer gut. Auch eine Obergrenze beim Einkommen finde ich gut. Aber wenn die Leute mehr verdienen, finde ich es falsch, sie zu bestrafen. Wir haben in der Altstadt eine hohe Lebensqualität, da soll es auch Reiche haben.
Guy Krayenbühl: Eine Obergrenze für Wohnungen mit Kostenmiete ist gut, korrekt. Und es werden ja noch zwei Ersatzangebote gemacht, wenn man die Wohnung wechseln muss: Das ist ein rechter Service.
Anthony Monn: Wenn man das konsequent macht, kann man damit beitragen zur Durchmischung. Es gibt genug gut Situierte in der Altstadt.
Dominik Ott: Es ist ein guter Kompromiss. Ich wohne in einer Genossenschaft. Da werden auch die Belegungsvorschriften angeschaut, wenn die Kinder ausziehen. Das ist Solidarität, den Platz freizugeben. Das ist fair und korrekt.
Felix Stocker: Ich finde die Obergrenze falsch. Aber es wurde im Gemeinderat einstimmig akzeptiert. Man sollte das nicht hart durchziehen. Wenn jemand seit Jahrzehnten in der Wohnung ist, sollte man das so sanft wie möglich durchziehen.
Guy Krayenbühl: Das ist aber auch sehr nett. Selber musste ich raus, aus einer privaten Wohnung, ohne Ersatzangebot.
Gabi Kisker: Die Unterbelegung von Wohnungen ist schon ein Problem.


Eine der Zielsetzungen der städtischen Vermietungspolitik ist die angemessene soziale Durchmischung der Quartiere, also auch der Altstadt. Durch die im Vergleich zum privaten Wohnungsmarkt relativ günstige Kostenmiete wird dies in der Regel auch gut gewährleistet. In der Altstadt sind Sanierungen allerdings oft ausgesprochen teuer. Damit resultieren bei städtischen Wohnungen auch bei Anwendung der Kostenmiete oft hohe Mietzinse. Ist damit die soziale Durchmischung der Altstadt gefährdet?
Ruedi Schneider: Wenn das tatsächlich so wäre, müsste man sich etwas überlegen.
Gabi Kisker: Private Wohnungen sind hochgradig teurer. – Das ist eher nicht ein Problem. Durchmischung heisst, wenn es Wohnungen hat und Läden. Wenn man das in der Stadt Zürich hinbringt, ist es gut. Es braucht nicht in jedem einzelnen Haus reich und arm.
Guy Krayenbühl: Renovieren eines Altstadthauses ist halt teuer, die Kosten müssen wieder hereingebracht werden. Es ist halt dann schön.
Michael Schmid: Die vielen Auflagen der Stadt kosten halt. Das ist teilweise nicht mehr in einem Verhältnis.
Dominik Ott: Aus den Kosten errechnet sich die Miete. Man kann eine Wohnung ja als Wohngemeinschaft nutzen, das ist auch interessant für die Durchmischung.
Reto Lüchinger: Teilweise ist eine Renovation nicht zahlbar infolge zu hoher Auflagen der Stadt.
Edi Guggenheim: Man muss den Zeithorizont sehen. Eine Wohnung, die heute günstig ist, war von dreissig Jahren teuer. Gewisse Vorschriften sind halt nötig.
Felix Stocker: Man kann auch günstiger renovieren, den Spielraum nutzen. So wie das damals bei den Häusern an der Chorgasse gemacht wurde.
Michael Schmid: Gewisse Vorgaben wie der Minergie-Standard verteuern das Bauen.


Der Kreis 1 bietet vor allem Arbeitsplätze sowie kulturelle und gastronomische Angebote. Er ist ein Einkaufs- und Vergnügungsviertel und aufgrund der historischen Bausubstanz auch eine touristische Attraktion. Und er ist auch ein Wohnquartier. Welchen Stellenwert geben Sie dem letztgenannten Aspekt?
Gabi Kisker: Wohnqualität ist wichtig, aber die Mischnutzung machts attraktiv, aber auch schwierig. Die Stadt besitzt viele Liegenschaften, die sie für ein Strassenprojekt mal gekauft hat. Sie hat dadurch die Möglichkeit, zu strukturieren. Die Anwohner sind sehr aktiv. Es gibt gute Chancen, dass die Altstadt nicht zu einem Ballenberg oder zu einer Event-City wird. Man soll die Events kontrollieren. Ich habe mich ja gewehrt gegen die Senkung des Wohnanteils an Winkelwiese und Trittligasse. Durchschnittlich ist der Wohnanteil zwischen vierzig und achtzig Prozent, in der Altstadt.
Anthony Monn: Es ist wichtig, dass es Leute hat, die sich mit dem Quartier verbunden fühlen.
Guy Krayenbühl: In der Altstadt kennen sich alle, es wird gelebt. Dies im Unterschied etwa zu Genf, wo es «tötelig» ist.
Jeremy Giblin: Die Durchmischung von Arbeitsplätzen, Wohnungen, Restaurants macht es doch aus. Das gehört alles dazu. Und der Wandel gehört dazu, Kompromisse finden. Die Altstadt soll die Altstadt bleiben. Es ist eine coole Stadt und ein cooles Quartier.
Anthony Monn: Die Hochschulplanung ist ein städtebauliches No-Go. Das gibt zusätzlichen Druck, wird Auswirkungen haben.


Die Zahl von Zweitwohnungen, die nur selten genutzt sind, wächst in der Innenstadt. Neuerdings stellt sich noch viel aktueller das Problem der Airbnbs sowie der Business Apartments, welche dem Wohnungsmarkt Raum entziehen und die Mietzinse ansteigen lassen. Sehen Sie einen Spielraum, die Entwicklung auf der politischen Ebene zu steuern?
Michael Schmid: Dass in der Altstadt gewohnt wird, ist ganz entscheidend, dass es nicht zu einem Freilichtmuseum wird. Ich nehme aber nicht solch einen negativen Einfluss wahr. Wir müssen die Entwicklung beobachten. Aber wir haben Gesetze, es braucht keine Radikalverbote.
Dominik Ott: Es gibt mietrechtliche Möglichkeiten. Airbnbs müssen bewilligt werden. In Genossenschaften etwa sind sie nicht statthaft, etwa bei der PWG.
Felix Stocker: Bei der Stadt gab es Einzelfälle, die aufgebauscht wurden in den Medien. Grösser ist das Problem in privaten Wohnungen. Es gibt Mittel, das anzugehen, und man muss das Problem angehen. Ansonsten kommt es dazu, dass die Mieten erhöht werden.
Michael Schmid: Die Stadt hats hier verschlafen.
Guy Krayenbühl: Es ist kein Vergleich mit Amsterdam oder Barcelona. Man müsste eine Kurtaxe erheben. Wobei ich selber schon froh war um ein Airbnb, mit der Familie. Man muss das steuern und besteuern.
Christian Traber: Airbnbs sind im Trend bei den Jungen, ich würde das nicht völlig verbieten. Machbares soll gemacht werden: Kontrollmechanismen, Kurtaxen. Aber man kann das Rad nicht zurückdrehen.
Gabi Kisker: Diese Airbnbs sind Preistreiber für die Mieten. Man muss Regeln schaffen. Das Problem sind Grossbetriebe, die ganze Liegenschaften aufkaufen. Das sieht man bei Fällen, die vor die Schlichtungsstelle kommen. Es gibt Mietnomaden… Man muss das im Auge behalten.
Jeremy Giblin: Ich habe Airbnbs selber schon oft genutzt, also meine Familie. Ich finde das ein cooles Tool. Es macht das Ganze jünger, urbaner. Das sind positive Effekte.

Elmar Melliger


Die Gesprächsrunde
An der Gesprächsrunde vom 22. Januar 2018 nahmen teil: Felix Stocker (SP), Ruedi Schneider (SP), Michael Schmid (FDP), Gabriele Kisker (Grüne), Dominik Ott (Grüne), Guy Krayenbühl (GLP), Jeremy Giblin (GLP), Edi Guggenheim (AL), Christian Traber (CVP), Reto Lüchinger (CVP), Anthony E. Monn (Der Unabhängige). – Die Fragen stellte Michael Schädelin.

Von SVP, EDU, PdA und EVP/BDP konnte leider niemand teilnehmen.

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